Leseproben
Die Rückkehr der Traumfresserin
(Band 2)
© Sabine Matheis
Teil einer geplanten Fantasy-Trilogie - Band 1 und 2 fertig erstellt.
Bild † Karl Jungschlaeger
Zwischen Lakritz und Apokalypse
Statt zur Schule ging Simon am nächsten Morgen zu Alim. Als Alim die Tür öffnete, huschte Simon nicht wie sonst an ihm vorbei, um es sich auf dem Sessel gemütlich zu machen. Zögernd und mit gesenktem Kopf trat er ein wie jemand, der eine große Dummheit gemacht hatte.
Fantei war bereits da. Fluchend kramte er sich durch die bodenlose Schublade des einzigen uralten Küchentisches in dem uralten, engen Büdchen.
„Milch mit Haut und Brei mit dickem Schleim nochmal“, fluchte
er. „Ich weiß doch genau, dass ich ihn dir gegeben habe! Verflixt
nochmal, wo ist er?“
Alim ging zu einem der vielen Bücherstapel. Obenauf lagen ein offenes Buch und darauf ein aufklappbarer Taschenspiegel.
„Suchst du den hier?“
Keuchend krabbelte Fantei aus der Schublade.
„Ja, Bruderherz, genau den meine ich!“
Er riss Alim den Spiegel aus der Hand. „Genau den brauchen wir!“
Alim protestierte: „Den brauche ich aber selbst, ab und zu -
zum Lesen meiner Büchern aus altmirandusischer Zeit.
Altmirandusisch können irdische Maschinen nämlich nicht
übersetzten.“
Alim sprach von Anwenderprogrammen in Handys und Computern – auch Apps genannt.
„Schon klar“, ärgerte Fantei sich. „Wärst du bei uns geblieben – geblieben, wie du warst –, würdest du heute keine Lakritze und Glimmstängel an versklavte Trottel verkaufen!“
Alim nickte gelassen. Er wollte sich nicht schon wieder auf
eine Diskussion mit seinem älteren Bruder einlassen, warum er
sich damals, wie Fantei es nannte, für so einen inakzeptablen, unpopulären, schwachomatigen, völlig bestussten Denkfehler der allerhöchsten Stufe schwachsinnigster Blödsinnigkeiten entschieden hatte – nämlich aus Liebe zu einer Menschenfrau ein
Sterblicher zu werden.
„Komm schon, Bruder“, legte Fantei nach, „wer weiß, wo es uns
hin verschlägt. Wir haben schließlich eine Mission – keine
Unwichtige und keine Kleinigkeit, wenn ich wie immer richtig liege - im Gegensatz zu dir, der du nur Bücher liest!“.
Letzteres sagte Fantei äußerst gedehnt. „Der Spiegel könnte hilfreich für uns sein. Vielleicht wird ausgerechnet er …,“ Fantei hielt ihn Alim direkt vor die Augen, „das entscheidende Ding sein, um das Blatt zu wenden und sie lahmzulegen. Na los! Komm schon! Nur für ein paar Tage. Kriegst ihn auch wieder, wenn ich zurück bin. Ich hab’s doch nicht so mit Mitweltlyrisch - weißt du doch.“
„Versprichst du es? An sowas komme ich nie wieder!“ Widerwillig überließ Alim Fantei den Übersetzungsspiegel.
Fantei versprach es und schob den Spiegel in die Innentasche seiner Weste. Zufrieden dreht er sich um.
Sein Blick fiel aber zufällig auf einen Spiegel an der Wand – auf den Spiegel der inneren Wahrheit. Ein wiederkäuendes Kamel glotzte ihn an. Doch Fantei kam nicht dazu, sich weiter über diesen Anblick zu ärgern. Denn hinter dem Kamel tauchte plötzlich ein Pinguin auf. Neugierig drehte er sich um und entdeckte Simon: „Hey Alter, wie ich sehe, bist du reisefertig.“
Simon trug die Jacke seines kürzlich verstorbenen Opas – eine olivgrüne Anglerjacke, warm und mit vielen, praktischen Taschen – innen und außen.
„Du bist fast hineingewachsen!“, staunte Fantei und tippelte um Simon herum. „Mensch Simon, jetzt guck doch nicht so traurig, wir werden das Kind schon schaukeln!“
„Wenn`s doch nur Kinderkram wäre!“, seufzte Simon.
„Wurde auch langsam Zeit“, bemerkte Fantei frech, „dass du endlich eine vernünftige Entscheidung getroffen hast. Die Schatten sind wieder da! Und diesmal, wie soll ich sagen, deutlich wirksamer als zuvor – wenn ich wieder einmal Recht behalten sollte!“
Simon dachten nach und nickte: „Ist mir auch aufgefallen. Besonders meiner Nona geht alles auf die Nerven. Ich dachte, es liegt daran, dass sie jetzt keinen Mann mehr hat. Aber sie ist…“, Simon schluckte. Durfte man sowas über seine Oma sagen? Doch dann platzte es aus ihm heraus: „Sie ist eine richtige Giftspritze geworden, meckert nur noch rum, regt sich über alles auf - und… ich glaube, sie hat sogar … Blumen von einem fremden Grab geklaut … und auf das meines Opas gestellt.“ Verschämt senkte Simon seinen Blick auf den alten, bunten Perserteppich. Doch dann schaute er wieder auf.
„Das ist doch nicht normal! Sowas hätte sie früher nie getan, sich sogar aufgeregt über Leute, die sowas tun! Und meine Mutter erst, die ist voll peinlich! Die hat ständig ihr Handy in der Hand, fotografiert sich selbst, hängt die Fotos in ihrem Geschäft auf, tauscht sie andauernd aus. Aber noch bekloppter ist mein Vater. Der hat meterweise Plastikrasen bestellt und sprüht ihn tonnenweise mit Maiglöckchenduft ein. Vorm Fernseher lobt er sogar, dass die Welt wieder über Kriege nachdenkt, weil das endlich wieder richtige Männer hervorbringen würde. Er hat noch nicht einmal etwas gesagt, als Rupert gestern einen Frosch in hohem Bogen in den Teich gekickt hat!“
Fantei schüttelte den Kopf: „Unzweifelhaft alle von der Schlummerdiebin geküsst!“
„Meine Nachbarin,“ ergänzte Alim und tippte sich an die Stirn, „verjagt neuerdings Kinder vom Bürgersteig vor ihrem Haus. Überall auf ihrem Grundstück sind Bewegungsmelder installiert, die einen Höllenradau machen – was besonders nachts von Igeln, Katzen und Fledermäusen ausgelöst wird.“
Als Simon kurz zur Seite blickte, fiel sein Blick auf den Spiegel, in den Fantei zuvor gesehen hatte. Ein Pinguingesicht starrte ihn an. In derselben, seitlichen Position wie Simon stand, drehte auch der sein Gesicht Simon in demselben Augenblick zu, wie Simon sich dem Spiegel zuwandte. Der Pinguin hatte Simons Augen - was überaus seltsam aussah. An einer Stelle neben dem Schnabel wuchsen keine Federn. Eine Hakennarbe war links unter dem Schnabel zu erkennen – dieselbe Narbe, wie Simon sie hatte – an genau derselben Stelle.
Plötzlich huschte ein Schatten hinter dem Tier vorbei. Der Pinguin blickte sich ängstlich um, als bemerke er einen Feind. Hastig watschelte los, stolperte, floh tölpisch und schwerfällig übers Eis. Immer wieder
sah der Pinguin zurück -wie durch ein Fenster - zu Simon. Statt jedoch Panik in seinen Augen, sah Simon, wie er ihm zuzwinkerte – ganz so, als wisse er mehr als der Schatten, der ihn verfolgte. Mit einem Satz sprang er von einer Eiskante ins Wasser. Als gebe der Spiegel einen Film wieder, sah man den Pinguin pfeilschnell durchs Wasser pflügen, riesige Wolken von Fischschwärmen zerteilen und eine hungrigen Robbe geschickt ausweichend zum Narren halten. In seinem Element war der Pinguin durch kein Tier der Welt an Geschicklichkeit zu überbieten.
Simon hob erstaunt seine Augenbrauen.
„Mannomann! Wie krass ist DAS DENN!“
„Der Spiegel von Origo“, antwortete Alim. „Er zeigt seinen Betrachtern ihre besondere Kraft – oder Wahrheit - könnte man auch sagen.“
Simon erinnerte sich, dass sein Großvater, der Italiener war, einen besonderen Kosenamen für ihn hatte, wenn er ihn begrüßte: „Il mio piccolo pinguino“: Komm, mein kleiner Pinguin. So hatte sein Großvater ihn oft freudig in seinen Armen aufgefangen, wenn Simon als kleiner Junge auf ihn zu gerannt kam. Am liebsten hatten sie zusammen im Zoo die Pinguine bewundert: an Land tölpisch, traurig und täppisch, aber im Wasser schnell,
sicher und überaus geschickt.
Fantei verschwieg, dass er ins Gesicht eines widerkäuenden Kamels, mit derselben Kartoffelnase, wie Fantei sie hatte, geblickt hatte! Auch ihm hatte das Tier zugezwinkert - was nicht besonders klug auf Fantei gewirkt hatte. Er sah sich ungern als dämliches, wiederkäuendes Kamel – obwohl es ein überaus ausdauerndes, kraftvolles Tier ist, das zudem Trockenheit und Dürre länger als alle andere Tiere überstehen kann.
Fantei wagte einen zweiten Blick in den Spiegel. Wieder glotzte ein Kamel mit Fanteis Augen in seine, scheinbar gelangweilt seinen Unterkiefer kauend von einer Seite zur anderen schiebend.
Während Simon darüber staunte, dass es eine Ähnlichkeit zwischen ihm und dem Pinguin gab, wandte sich Fantei, der mehr Ähnlichkeit mit einem Kamel zu haben schien, verärgert vom Spiegel ab.
„Alberne Spielerei!“, murmelte er.
„Was sagst du?“
Alim wurde auf Fantei aufmerksam.
„Nichts“, brummelte der und stieg, wie von einen Bus in den nächsten, in ein anderes Thema ein.
„Hör mal“, lenkte er ab, „Du weißt ja, in welcher Mission ich unterwegs bin.“
Alim nickte. griff zu seiner Pfeife und wiederholte: „Deine Mission, ja, ja.“
„Ehrlich gesagt“, fuhr Fantei fort, „ich habe mir nicht im Mindesten vorstellen können, was auf mich zukommen würde.“
„Hört, hört!“, erwiderte Alim. „Das sind ja Töne von dir, wie ich sie so gar nicht gewöhnt bin. Du bist doch sonst immer so sicher in allem.“
„Daran hat sich auch nicht geändert!“, protestierte Fantei. „Ich hatte aber fast vergessen, dass …“ Fantei hastete zu Alim, der es sich auf dem Sessel gemütlich gemacht hatte: „…, dass unsere …“, er flüsterte, „Traumsuse nicht einfach mal so aus der Welt zu schaffen ist.“
Nervös trippelte er daraufhin im Büdchen auf und ab.
„Ich bin nicht zu feige, mich mit ihr anzulegen - glaub das nur ja nicht! Und ich hab’ einen langen Atem - wenn’s drauf ankommen sollte … kann große Durststrecken überstehen, denke die Dinge stets gründlich durch wie ein
widerkäuendes… äh ich meine…“, korrigierte er sich und wollte das Kamel vergessen, „ich denke IMMER alles und IMMER verflixt gut durch.“
Er blieb stehen, machte eine Pause. „Aber manchmal“, fuhr er nachdenklich fort“, muss man es eben auch mal drauf ankommen lassen.“ Er nahm seine Mütze ab und klopfte den Staub auf seinem Oberschenkel aus. Die Luft glitzerte. Fantei hustete.
„Das Problem ist…“, sagte er, „ich habe … ich meine, wir haben nichts, rein gar nichts, womit wir uns verteidigen können, geschweige denn habe ich auch nur die geringste Idee, wie wir...", hauchte er leise, "Madame Schattendämmerung in ihre Schranken weisen oder sonst wie außer Gefecht setzen könnten. Wusstest du, dass mittlerweile alle Musen in Ihren Händen sind?“
Alim war gerade dabei sich paffend eine Pfeife anzuzünden. Sie glitt ihm auf den Schoß. Hektisch klopfte er die Glut von seiner Hose.
„Wieso hattest du mir das nicht erzählt?“
„Wann sollte ich?“, fragte Fantei gereizt.
„Na, als wir uns das letzte Mal hier getroffen haben, natürlich!“
Das letzte Mal war einige Monate her. Fantei und Simon hatten
sich mit Müh und Not vor dem Drachen und den Wölfen Hydraxas in
Sicherheit bringen können und erleben müssen, wie die Wölfe alle
Musen abführten. Zu Alim geflohen, erhofften Fantei und Simon
sich Hilfe von ihm. Doch dazu war es nicht mehr gekommen.
„Du vergisst wohl“, antwortete Fantei schnippisch, „dass die Schattenhexe uns beim letzten Mal ziemlich auf Trapp gehalten hatte. Du warst mit deiner Idee beschäftigt, an Blut von winterschlafenden Bären zu kommen und sie damit in den Winterschlaf zu katapultieren, während Simon seinem Großvater gegen das Miststück beigestanden war. Und ich musste Simon danach mal eben vor seiner Auflösung ins Nichts bewahren!“
Heftig donnerte es plötzlich an die Scheibe des Verkaufsfensters. ...
© Sabine Matheis
Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt und dient ausschließlich als Leseprobe.
Bei Interesse am vollständigen Manuskript oder bei Verlagsanfragen freue ich mich über Kontaktaufnahme.
Der Fischer und die drei frechen Gänse
© Sabine Matheis
Über ein Spiel aus uralter Zeit.
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Es war einmal ein Fischer, der eine Frau und sieben Kinder hatte.
Noch bevor die Sonne aufging, stieg er in sein Boot, um das zu tun, was er jeden Morgen tat. Er fing Fische im Fluss vor seinem Haus. Das tat er bis zum Mittag. Dann verkauften er und seine Frau die Fische auf dem Markt. Von dem Geld kauften sie sich Essen, Kleider und manchmal eine Süßigkeit, und hatten keine Not.
Doch eines Tages änderte sich alles: Seine Netze blieben leer.
Einmal, es war ein heißer Sommertag und die Sonne stand hoch am Himmel, da hatte der Fischer immer noch keinen Fisch gefangen. Traurig ging er erst spät am Mittag nach Hause, wo die Frau schon ungeduldig auf ihn wartete.
„Mann, wo hast du die Fische? Der Markt ist fast vorbei.“
Der Fischer senkte traurig seinen Kopf.
„Heute können wir nichts verkaufen“, sagte er. „Wir müssen von dem essen, was wir noch haben.“
„Wieso hast du nichts gefangen?“, fragte die Fischerin ihren Mann.
„Frau“, sagte der. „Da waren drei Gänse. Die hatten ihren Spaß daran, mir die Fische zu vertreiben. Den ganzen Tag riefen sie immerzu: Fischer! Fischer! Wie tief ist das Wasser? Du weißt ja, wie schrecklich Gänse schnattern können. Und wie sich die Fische vor ihren scharfen Schnäbeln fürchten.“
„Dann müssen wir bis morgen warten“, sagte die Fischerin. „Du wirst schon wieder einen guten Fang machen.“
Doch am nächsten Tag erging es dem Fischer genauso und er kam ohne Fische nach Hause. Und etwas zu Essen war nun nichts mehr im Haus.
Zum ersten Mal gingen sie hungrig zu Bett. Die Kinder rückten eng zusammen.
Keiner sprach ein Wort.
Nur das leise Abendgebet lag im Raum. Und mit ihm die Hoffnung auf den nächsten Tag.
Doch auch an dem fing er der Gänse wegen nicht einen einzigen Fisch.
Am vierten Tag, als er wieder im Boot saß, seine Netzte auswarf und auf einen guten Fang hoffte, da schnatterten die frechen Gänse erneut über den See.
„Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?“
Da verzweifelte der arme Fischer und fing bitterlich an zu weinen. Er ruderte ans Ufer. Dort hockte er sich ins Gras – dahin, wo seine Stiefel noch das Wasser erreichten. Dicke Tränen liefen ihm übers Gesicht, tropften in den Fluss.
Plötzlich geriet das Wasser vor ihm in wildes Strudeln. Der Fischer sah erschrocken auf. Plötzlich schnellte aus dem Wasser etwas auf ihn zu. Der Fischer sprang auf und hüpfte zur Seite.
Vor ihm im hohen Gras zappelte ein riesiger Fisch – groß wie ein Schaf. Er schillerte in der Sonne in allen Farben, die man sich nur denken konnte.
Mit tellergroßen Augen und einem weit aufgerissenen Maul starrte der Fisch den Fischer an.
Seine Schuppen waren so groß Blätter einer Birke und schimmerten wie Edelsteine.
„Ei Potz!“, staunte der Fischer. „Sollte das ein Wunder sein?“ Wenn ich den verkaufe, dachte er, bekomme ich ein hübsches Sümmchen dafür.
Er starrte auf die Schuppen. Sie schillerten wie die Augen auf den Schwanzfedern eines Pfaus.
Daraus könnte meine Frau kostbares Geschmeide für die Hälse edler Damen fertigen.
Wie der Fischer so daran dachte, wie reich der Wunderfisch ihn machen würde, da Fisch anzuschreien. Aus seinen Augen kullerten Tränen, die im Nu zu Perlen erstarrten.
Noch nie hatte der Fischer in seinem langen Fischerleben einen Fisch schreien hören – geschweige denn Perlen weinen sehen.
Der Fisch aber zappelte, japste nach Luft, krümmte sich, und platschte im Ufergras. Langsam und qualvoll erstickte er.
Der Fischer zögerte. Dann kniete er sich nieder und hob den Fisch vorsichtig an.
Mitgefühl überkam ihn mit dem zappelnden Wesen, das so wunderschön in der Sonne schimmerte.
„Wer weiß“, flüsterte er und hob die Perlen auf. „Vielleicht ist es eine Sünde, ein so herrliches Wesen zu töten. Vielleicht gibt es nur das eine auf der Welt? Die Perlen sollten mir genügen, um die nächsten Wochen keine Not zu haben.“
Der Fisch war schwer, doch gelang es dem Fischer, ihn ins Wasser zu hieven. Dann drehte er sich um und ging.
Doch plötzlich traf ihn ein eiskalter Wasserstrahl im Rücken. Der Fischer drehte sich um, sah jedoch niemanden.
Schon wollte er weitergehen, da traf ihn erneut ein Wasserstrahl.
„Bist du taub?“, hörte er es hinter ihm herrufen.
Der Fischer blieb stehen und drehte sich um.
„Wie heißt du?“
Ungläubig starrte der Fischer zum Wasser und ging mit tiefen Falten zwischen den Augen zurück.
Der Wunderfisch hielt seinen Kopf über das Wasser und spuckte noch einen Strahl. Doch diesmal konnte der Fischer zur Seite springen.
„Meinst du etwa mich? Wenn du es wirklich bist, der spricht, sage mir erst einmal deinen Namen.“
Zuerst glaubte der Fischer noch sich getäuscht zu haben. Doch hörte er den Fisch erneut reden.
„Ich? Blubbi Blubberblase natürlich! Merke dir den Namen gut – so viele sprechende Fische triffst du nicht. Jetzt sag, wer du bist.“
Ratlos kratzte sich der Fischer an den Kopf.
„Fritz der Fischer“, sagte er. „Meine Kinder haben Hunger, meine Frau hat große Angst und die Gänse auf dem Fluss machen mir das Leben schwer. Nun mache du mir es nicht auch noch schwer und verscheuche mir die Fische.“
„Fritz du Fischer. Hör mir zu. Ich bin zu dir an Land gesprungen, weil du mich vor lauter Weinen nicht gehört hast – um dir zu helfen. Doch weil du mich sogar gerettet hast, will ich dir sogar einen Zauberwunsch erfüllen.“
Der Fischer wunderte sich nicht mehr über einen Riesenfisch. Auch nicht über einen sprechenden. Aber einer, der Wünsche zaubern kann?
Ob ich vor lauter Not nun schon verrückt geworden bin?, fragte er sich.
„Bist du denn ein Wunderfisch?“
„Ich bin viel mehr. Ich bin ein Zauberfisch.“
Der Fischer bedachte die Sache hin und her - wegen einer merkwürdigen Situation, wie sie nur im Märchen geschieht. Doch dann dachte er bei sich: Was kann es schon schaden, wenn ich mit einem Fisch rede, der von sich behauptet ein Zauberfisch zu sein. Es sieht mich ja niemand.
„Ach“, sagte er zu Blubbi Blubberblase, „mir würde ein Wunsch schon sehr genügen. Ich sollte jeden Tag genug Fische fangen, damit meine Familie keine Not haben muss. Wenn du mir das zaubern willst, will ich ganz zufrieden sein.“
Blubbi Blubberblase spuckte erneut einen hohen Strahl aus.
„Hach, das ist doch leicht!“, sagte er. „Dafür braucht es doch keinen kostbaren Zauber zu verschwenden, der mich viel zu viel Kraft kostet.
„Aber ich habe keinen wichtigeren Wunsch als diesen!“
Der Fischer verzweifelte erneut.
„Dir wird sicherlich einer einfallen. Irgendwann,“ tröstete Blubbi Blubberblase. „Rufe mich einfach, wenn es so weit ist.
© Sabine Matheis
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